Die Qual der Wahl des richtigen Gepäcks

Der Grundstein für die besten Geschichten

Wer sein ganzen Haushalt zwei Monate auf dem Rücken tragen muss/will, der sollte seine Auswahl beim Transportgeräte sorgfältig bedenken. So taten dies auch wir. Von Anfang an wussten wir es wird wohl ein Rucksack werden, der uns in Asien die Traglast unserer Wirtschaft erleichtern wird. Schließlich schien die Anreise mit einem handelsüblichen Reisekoffer nahezu unmöglich. Koffer schieden auf Grund ihrer unpraktischen Form und unser eingeschränkten Wendigkeit mit ihnen als Begleiter aus. Auch der Gedanken an einen modischen Turnbeutel wurde schnell ad acta gelegt. Der Transport durch einen Bediensteten fiel aus Kostengründen auch aus. Aber nach einem Monat treffen ja Frank und Diana zu uns, ausgeruht und mit frischer Kraft und vor allem mit einem elterngleichen Gemüt.

Rucksack schön und gut. Wie groß, wie hoch, welche Farbe, Männerrucksack, Frauenrucksack, Rucksack für Linkshänder oder lieber einen aus hippen veganen oder praktischen wasserdichten Material? Durch den Wald an Rucksäcken mussten wir uns erst wühlen.

Franzi informierte sich bereits im Vorfeld höchst vorbildlich und konnte dann ihren Favoriten präsentieren. Mich zu überzeugen war nicht die Schwierigkeit. Viel schwieriger war es herauszufinden, ob die getroffene Wahl auch wirklich für unsere Zwecke geeignet ist. Können wir mit diesem Gepäckstück noch agil und beweglich genug sein um die Hindernisse der vietnamesischen Nord-Süd-Tour zu bewältigen? Und bekommen wir das Gewicht des Sackes immer gestemmt auch wenn uns die vornächtliche Aktivität am Tag die gute Grundperformance stielt? Aber viel wichtiger, fühlen sich unsere Nikis und Schlüpfer auch in ihrem neuen Zuhause wohl. Nicht jeder Rucksack gibt ihnen das Gefühl sicher und artgerecht wie im heimischen Kleiderschrank gelagert zu sein. Wir beschlossen einstimmig ein Exemplar dieser Art im Internet zu bestellen und unsere Sachen einfach einmal probeliegen zu lassen. Danach schicken wir ihn einfach zurück und sehen uns nach dem günstigsten Angebot um und schlagen dann zu.

Wir waren auf der Suche nach einem ganz bestimmten Rucksack, der uns der idealste Reisegleiter für unsere zwei monatigen Trip durch Asien zu sein schien. Leider startete dieser Missionsteil mit einem kleinen Missgeschick der Post, die uns die Lieferung nicht ordnungsgemäß zustellte und wir einige Tage selber auf die Suche nach der verlorenen Lieferung in den Postfilialen dieser Stadt gehen mussten. An einem dunklen und regnerischen Montagabend war es soweit, der Rucksack konnte auf Tragekomfort und Fassungsvermögen, Herz und Nieren getestet werden. Eine kleine weitere Hürde stellte die Überführen des monströsen Paketes im Format eines Kleinwagens zur unserer Wohnbasis da. Aber auch dieses Problem liegt jetzt bereits hinter uns. Franzi stellte ihren feinten Zwirn und ihre luxuriösesten Kosmetikartikel zur Anprobe zur Verfügung. Der Test wurde erfolgreich bestanden. Jetzt galt es das günstigste Angebot zu finden und zu zuschlagen.

 

rucksacktest

 

Da wir diesen speziellen Reiserucksack in Berlin bisher in keinem Laden in live begutachten konnten, war eine Mitarbeiterin in eine Trekkingausrüstungsfiliale so nett und bestellte einen Rucksack dieser Art für uns zu Ansicht. Wir unternahmen eine Expedition mit dem Fahrrad durch das frühwinterliche Berlin. Auch plötzlich eintretender Regen und heftiger Wind konnten uns nicht vom rechten Fahrradweg abbringen. Wir fuhren fast heldenhaft zu unserem Ziel. Hier sollte nun der erste Schritt, die erst richtige Vorbereitung zu unserer Reise gelingen. Wir konnten praktisch schon spüren, wie wir auf den gepackten Koffern, die ja Rücksäcke waren, saßen und auf unsere Maschine in das asiatische Paradies warteten. Später würde man sagen, hier, genau hier wurde der Grundstein gelegt für den besten Trip der Welt, den man weder rauchen noch intravenös injizieren kann. Die Basis für die besten Geschichten von denen die Menschheit je lass.

Da wir im Vorhinein schon vom gewählten Modell auf Grund der Qualität, Passform und zusätzlichen Sicherheitsfunktionen überzeugt waren, stand dem käuflichen Erwerb nichts mehr entgegen. Wir spielten erst einmal die Ahnungslosen, um eine bestmögliche fachliche Empfehlung und vielleicht ein unseren Vorstellungen entsprechendes Angebot vom Verkäufer zu erschleichen. Schnell sprang der Mitarbeiter auf unseren Zug auf und der Geruch eines Schnäppchens verbreitete sich im Raum der Verkaufsstelle. Bevor es anfing im ganzen Center zu stinken, sicherte sich Franzi planmäßig das Modell (Pacsafe Venturesafe) mit 55 Liter zu einem, wie bereits ausführlich beschrieben, überaus günstigen Preis. Sie nahm ihn direkt auf den Rücken ohne Karton, Tüte oder sonstigem Verpackungsschnickschnack. Vorfreudig wie ein kleiner Junge an der Wursttheke des örtlichen Fleischers, der auf die Handwurstscheibe wartete. Leider war nur ein Exemplar vorrätig.

Stolz wie Bolle posierte Franzi mit ihrer Beute vor der Kamera. Zur Feier des Tages blieb uns nichts anderes übrig als diesen Triumphzug mit einem kühlen Bierchen würdevoll zu feiern. Der Rucksack bekam sein erstes Gepäckstück: eine Päckchen mit vier Dosenbiere. Besser konnte man einen Rucksack erstmals nicht bepacken. Ab diesen Moment wusste auch der Rucksack, dass er mit uns als Reiseaufsichtsberechtigten einen guten Fang gemacht hat. Er ist in guten und verantwortungsvollen Händen.

 

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