Pandas, Hotpot, Ohrenputzen & Opernzauber
Unsere dritte Station: Chengdu
Tag 6 – Donnerstag
Pandas!
Heute durften wir endlich ein bisschen länger schlafen: Der Wecker klingelte gegen sieben, die Abfahrt war um 8:30 Uhr. Unser Ziel: die Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding – eine Aufzuchtstation, in der man Pandas in (halb)freier Wildbahn beobachten kann. Die Einrichtung wurde 1987 mit sechs aus der Wildnis geretteten Pandas gegründet und ist heute die größte Zuchtstation für Große Pandas weltweit. Für Fränn war der Besuch etwas ganz Besonderes – sie hatte noch nie zuvor einen Panda gesehen, nicht einmal im Zoo in Berlin.
Schon auf dem Weg dorthin fiel auf: In Chengdu dreht sich alles um Pandas. Häuser, Straßen, Läden – überall blickten sie uns in Schwarz-Weiß an.

Heute begleitete uns wieder ein zusätzlicher regionaler Guide: Claudia.
Schon im Bus begann sie begeistert zu erzählen – über die wohl berühmtesten Bewohner Chinas: die Pandas.
Weltweit leben nur rund 1.900 Pandas in freier Wildbahn, verteilt auf drei abgelegene Regionen Westchinas. Ein Panda frisst täglich bis zu 40 Kilo Bambus – und verbringt den Rest des Tages meist schlafend. Ursprünglich waren sie Fleischfresser, heute sind sie fast reine Vegetarier.
Mit ihren sechs Fingern und einem zusätzlichen „Daumen“ schälen sie Bambus mit einer Präzision, die fast menschlich wirkt. Zwischen vier und sechs Jahren werden sie geschlechtsreif, meist kommt nur ein Junges zur Welt. In der Wildnis leben sie etwa 20 Jahre, in Schutzstationen können es über 25 werden – der älteste bekannte Panda sogar 38.
Faszinierende Wesen – eigenwillig, gemütlich, friedlich.
Und während Claudia sprach, wuchs die Spannung im Bus: Gleich würden wir sie endlich sehen!
Unser Panda-Erlebnis
Am Eingang erwartete uns ein Meer aus Touristen und Panda-Souvenirs – es gab wirklich alles mit Pandas drauf. Gemeinsam mit Claudia spazierten wir durch den Park. Und dann endlich: der erste Panda! Er lag regungslos da und schlief. „Na toll“, dachten wir.

Fränn war zunächst irritiert – sollte das schon alles gewesen sein? Also beschlossen wir, uns von der Gruppe zu lösen und allein weiterzuziehen. So kamen wir schneller voran und konnten mehr entdecken. Nach einer Weile sahen wir Menschen mit Panda-Schildern – sie hoben sie immer dann hoch, wenn irgendwo ein Panda zu sehen war. Sehr hilfreich!

Und tatsächlich: Wir sahen noch viele mehr – schlafende, fressende, kletternde Pandas. Mal aus der Nähe, mal aus der Ferne. Ihr schwarz-weißes Fell, die runden Körper, die tapsige Art – einfach zum Dahinschmelzen. Und kleiner, als wir sie uns vorgestellt hatten.


Leider hatten wir nur zwei Stunden Zeit, um das weitläufige Gelände zu erkunden – viel zu wenig! Man könnte hier den ganzen Tag verbringen. Trotzdem: ein unvergessliches Erlebnis.
Teeritual & Ohrenputzen in den Kuanzhai Xiangzi
Nach dem Panda-Besuch ging es zurück in die Stadt – genauer gesagt in die Kuanzhai Xiangzi (Wide and Narrow Alleys), charmante Altstadt mit kleinen Gassen voller Teehäuser, kleiner Läden und Souvenirshops. Sofort fühlten wir uns wohl: entspannt, lebendig, authentisch. Natürlich kehrten wir gleich im ersten Teeladen ein und machten eine Teeverkostung. Mit frischem Jasmintee im Gepäck schlenderten wir weiter.

Dann das nächste Abenteuer: Traditionelles Ohrenputzen.
Zuerst beobachteten wir einen Mitreisenden – mit speziellen Werkzeugen wurde ihm der Gehörgang gereinigt, das Ergebnis stolz auf einem Taschentuch präsentiert. „Oh wow, das ist aus deinem Ohr?“, staunte Fränn. Eigentlich wollten wir das lieber lassen – doch am Ende der Gasse siegte die Neugier.
Kurz darauf saßen wir selbst auf den Stühlen. Zwei Behandlungen kosteten 263,68 Yuan (rund 31,64 € für zwei Personen) – nicht günstig, aber wenn das hier Tradition ist und man danach auch noch besser hört.

Mit Lampe und Mini-Kamera inspizierten die Ohrenputzerinnen unsere Gehörgänge. Fränn war etwas angespannt, da sie früher einen Trommelfellriss hatte – saß steif wie ein Brett – aber am Ende war es gar nicht schlimm. Ein sonderbares, aber faszinierendes Erlebnis.

Nächste Station: Wenshu-Tempel
Nach einer kurzen Verschnaufpause und sauberen Ohren ging es mit der Gruppe weiter zum Wenshu-Tempel, einem der besterhaltenen buddhistischen Tempel Chengdus. Eindrucksvolle Architektur, Räucherstäbchen, Gebetsgesänge – aber die Aufmerksamkeit ließ langsam nach. Die vielen Eindrücke der letzten Tage forderten ihren Tribut.

Hotpot – Chinas feurige Geselligkeit
Nach soviel Kultur war es Zeit für Essen – und was für eins! Chengdu ist berühmt für seinen Hotpot, der von der UNESCO als Teil des immateriellen Kulturerbes ausgezeichnet wurde. In einem Restaurant war wie immer alles für uns vorbereitet. Jeder bekam einen eigenen Topf: Fränn entschied sich vorab für den Yin-Yang-Hotpot mit milder Pilz- und scharfer Brühe (geteilt), Mariana für eine milde Tomatenbrühe – sicher ist sicher.

Auf dem Tisch stapelten sich Fleisch, Fisch, Pilze, Nudeln, Gemüse – ständig wurde nachgelegt, bis niemand mehr konnte. Zum Abschluss gab es eine kleine Süßspeise. Wir hatten Glück, an einem entspannten Tisch mit Leuten aus Karlsruhe und Innsbruck zu sitzen – ein rundum gelungener Abend.
Hotpot war bisher unser bestes Essen in China: gesellig, abwechslungsreich, unglaublich lecker.
Unser Abendprogramm: Ab in die Oper
Nach dem Essen hatten wir die Wahl: Freizeit oder Opernbesuch.
Wir entschieden uns für die Oper. Fränn machte sich chic und freute sich auf einen Abend voller Kultur, Tee und etwas Ruhe.



Für 270 Yuan (ca. 32 €) pro Person hatten wir reservierte Plätze in einer überdachten Location. Touristen und Einheimische saßen bunt gemischt zusammen. Wir bestellten Popcorn, bekamen Tee serviert – und der wurde ununterbrochen nachgegossen. Ein Paradies für uns Tee-Liebhaberinnen!


Um 20 Uhr begann die Show: eine farbenprächtige Mischung aus Akrobatik, Theater, Musik und Schattenspiel. Besonders das Schattenspiel faszinierte – wie viele Figuren man nur mit zwei Händen erschaffen kann!
Der Höhepunkt folgte zum Schluss: das legendäre Maskenwechsel-Spiel. Die Künstler wechselten blitzschnell ihre Masken – niemand sah wie. Einfach magisch!
Gegen 21:30 Uhr endete die Vorstellung. Müde, glücklich und voller Eindrücke fuhren wir zurück ins Hotel. Blog schreiben? Verschoben – zu müde!

Fazit zu Station 3: Chengdu
Chengdu hat uns sofort in seinen Bann gezogen – eine Stadt, die für Pandas, Tee und Gelassenheit steht.
Der Besuch der Panda-Aufzuchtstation war ein echtes Highlight: zwei Stunden voller Staunen und Lächeln. Diese sanften Riesen beim Fressen, Dösen und Klettern zu sehen – unvergesslich.
Mindestens genauso eindrucksvoll: die Kuanzhai Xiangzi. Zwischen Teehäusern, Garküchen und bunten Läden spürten wir den Puls der Stadt. Das traditionelle Ohrenputzen war kurios, aber irgendwie typisch Chengdu – offen, mutig, neugierig.
Kulinarisch war Chengdu unser bisheriger Höhepunkt: Hotpot als geselliges Gemeinschafts-Ritual, bei dem man lacht, redet, probiert – und glücklich satt wird. Und dann die Oper: Tee, Popcorn, Akrobatik, Schattenspiel und der magische Maskenwechsel – ein Abend, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.Chengdu war für uns eine perfekte Mischung aus Natur, Kultur und Lebensfreude – und ganz sicher eine Stadt, zu der wir eines Tages zurückkehren möchten.
Ein Kommentar
Sister Diana
Hat geklappt! Ich konnte heute den Blog öffnen und mit Neugierde lesen. Ohrenputzen ist schon sehr eigenwillig!