Am fünften Tag unseres Mauritius-Urlaubs passierte eigentlich nicht besonders viel. Wir lasen, lagen am Pool und versuchten weiterhin, das mit dem Entspannen ernst zu nehmen. Wobei „nichts passieren“ bei uns natürlich nicht bedeutet, dass wirklich nichts passiert.
Nachdem der Hubschrauberflug inzwischen ausgebucht war, verbrachten wir den halben Vormittag damit, doch noch eine Wal- oder Delfintour zu finden. Die meisten Anbieter waren ebenfalls schon ausgebucht und Fränn war kurz davor, einen kleinen Nervenzusammenbruch zu bekommen. Kein Wal? Kein Hubschrauber? Wofür waren wir denn überhaupt nach Mauritius geflogen?
Unsere Handys und der Laptop liefen jedenfalls heiß, während wir verschiedene Anbieter anschrieben, Webseiten öffneten und versuchten, noch irgendwo zwei Plätze zu ergattern. Irgendwann wurden wir tatsächlich fündig und konnten für den nächsten Morgen eine Wal- und Delfintour buchen. Damit war der nächste Tag gerettet.
Der Wecker klingelt um 4:50 Uhr
Am Samstag klingelte der Wecker bereits um 4:50 Uhr. Zu dieser Uhrzeit fühlt sich Frühstück im Urlaub normalerweise eher wie ein persönlicher Angriff an, aber an diesem Morgen wollten wir natürlich pünktlich los.
Nach einem schnellen Frühstück wurden wir um 5:30 Uhr abgeholt und fuhren ungefähr eine Stunde zu dem Strand, an dem die Bootstouren starteten. Dort warteten bereits einige andere Touristinnen und Touristen auf ihre Ausflüge, bevor es pünktlich um sieben Uhr mit einem kleinen Boot und insgesamt zwölf Personen aufs offene Meer ging.
Das Boot ruckelte ordentlich und wir hatten nicht besonders viel Zeit, uns zu fragen, ob wir eigentlich seetauglich waren oder nicht. Nach ungefähr vierzig Minuten Fahrt war es dann tatsächlich so weit. Wir sahen den ersten Pottwal.
Fränn war ihrem ersten Wal so nah wie noch nie zuvor. In Taiwan, Mexiko und Norwegen hatte sie bisher keinen einzigen Wal gesehen, obwohl sie sich diese Begegnung schon lange wünschte. Und nun tauchte dieses beeindruckende Tier einfach vor unserem Boot auf.

Es war ein unglaublich bewegender Moment, denn Pottwale wirken aus der Nähe gleichzeitig ruhig, mächtig und ein wenig unwirklich. Unser Boot hielt Abstand und beobachtete das Tier vorsichtig, doch schon bald wurde deutlich, dass nicht alle Boote in der Umgebung mit derselben Zurückhaltung unterwegs waren.
Wenn aus einem Naturerlebnis ein Spektakel wird
Viele Menschen sprangen ins Wasser, um mit den Walen zu schwimmen, obwohl das auf Mauritius verboten ist. Für uns war es ein trauriger Anblick, denn aus einer Begegnung mit einem wilden Tier wurde dadurch ein großes touristisches Spektakel.

Natürlich wären wir auch gerne näher an die Wale herangekommen. Wer möchte nicht einmal mit einem solchen Tier im Wasser sein? Gleichzeitig war uns ziemlich schnell klar, dass bei so vielen Booten, Menschen und Schwimmern kaum noch von einem respektvollen Abstand gesprochen werden konnte.
Manche Boote fuhren sehr nah an die Tiere heran, andere Menschen sprangen direkt ins Wasser und versuchten, ihnen zu folgen. Fränn rief irgendwann nur noch in Richtung der anderen Boote: „Schämt euch!“
Das war vielleicht nicht die diplomatischste Reaktion, aber es war in diesem Moment einfach schwer auszuhalten. Wenn ihr irgendwann Fotos von Menschen seht, die auf Mauritius mit Walen schwimmen, dann war das nicht automatisch ein besonders mutiges oder außergewöhnliches Erlebnis, auf das man stolz sein sollte. Es war verboten und hat mit respektvoller Tierbeobachtung nicht viel zu tun.
Wir blieben im Boot und beobachteten die Wale aus sicherer Entfernung. Genau darin lag für uns letztlich auch die eigentliche Magie: nicht alles anfassen, nicht überall hineinspringen und nicht aus jedem besonderen Moment eine persönliche Attraktion machen zu müssen.

Danach fuhren wir weiter aufs offene Meer, um nach Delfinen zu suchen. Die Tiere ließen sich von unserem Boot nicht weiter stören und wirkten sogar neugierig. Sie schwammen eine Weile mit uns und kamen immer wieder in die Nähe des Bootes.
Theoretisch hätten wir laut Anbieter ins Wasser gehen können. Einmal mit Delfinen zu schwimmen, klingt natürlich nach einem großen Urlaubstraum. Bei zwölf Personen auf einem kleinen Boot und mehreren Gruppen in derselben Gegend fühlte es sich für uns allerdings nicht nach einer besonders guten Situation für die Tiere an.
Also blieben wir auch im Boot.

Kein Gedränge, kein Spektakel und kein Versuch, die Tiere für ein möglichst spektakuläres Foto zu verfolgen. Stattdessen saßen wir einfach da, beobachteten die Delfine und waren froh, sie überhaupt in freier Wildbahn erleben zu dürfen.

Die morgendliche Ausfahrt hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Gerade in den kühleren Monaten von Mai bis Oktober sollen die Bedingungen rund um Mauritius besonders gut sein, und wir hatten offenbar genau den richtigen Tag erwischt.

Ein trauriger Blick unter Wasser
Nach der Wal- und Delfinbeobachtung ging es noch zu einem kleinen Riff in der Nähe des Strandes, an dem wir gestartet waren. Dort durften wir ins Wasser und ein wenig schnorcheln.
Fränn sah einige bunte Fische. Gleichzeitig war aber auch hier deutlich zu erkennen, dass das Riff kaum noch intakt war. Zwischen den Fischen lag viel abgestorbenes Korallenmaterial und die Unterwasserwelt wirkte an vielen Stellen deutlich weniger lebendig, als man es sich bei Mauritius vielleicht vorstellt.
Das war ein eher ernüchternder Abschluss eines ansonsten sehr besonderen Vormittags.
Gegen elf Uhr ging es zurück zum Strand und anschließend mit dem Fahrer wieder in Richtung Hotel. Wir waren müde, ein wenig durchgeschüttelt und ziemlich überwältigt von dem, was wir erlebt hatten. Fränn hatte endlich ihren ersten Wal gesehen und musste den ganzen Tag immer wieder darüber sprechen. Das kann man ihr allerdings nicht verdenken.
Eine kleine Insel vor dem Hotel
Am nächsten Tag sollte es etwas ruhiger werden. Wir fuhren zu einer kleinen Insel, die direkt zu unserem Hotel gehörte und die man vom Resort aus sehen konnte. Mit einem kleinen motorisierten Floß dauerte die Überfahrt gerade einmal ungefähr drei Minuten.
Die Insel war bewusst klein gehalten und es durften nur etwa zwanzig Gäste gleichzeitig dort sein. Dadurch war es dort deutlich ruhiger als am großen Hotelstrand und man hatte tatsächlich das Gefühl, für einen Moment aus dem Resort herauszukommen, obwohl man es die ganze Zeit sehen konnte.

Viel mehr als die Aussicht, ein paar Liegen, Wasser und Ruhe brauchten wir an diesem Tag eigentlich nicht. Nach dem frühen Aufstehen und der aufregenden Bootstour war es angenehm, einfach nur dazuliegen und nichts organisieren zu müssen.

Wobei wir natürlich auch an diesem Tag nicht ganz ohne Programm auskamen.
Am Montag kam Mariana irgendwann auf die Idee, ins Fitnessstudio zu gehen. Sie hatte wegen des vielen Essens und der zahlreichen Mocktails ein schlechtes Gewissen bekommen und wollte zumindest kurz etwas für ihre Fitness tun.
Also ging es zunächst auf das Fahrrad und anschließend noch auf die Matte, wo verschiedene Übungen gemacht wurden. Eine Stunde später war Mariana vermutlich das erste Mal im Urlaub in einem Fitnessstudio gewesen und konnte guten Gewissens zurück ans Buffet gehen.
Wir lasen, schwammen und ließen den Tag langsam verstreichen. Am Abend gab es im Hotel ein mauritisches Abendessen à la carte und anschließend gingen wir noch an die Bar, wo wir den hauseigenen Rum probieren konnten.
Der freundliche Mann hinter der Bar gab sich große Mühe, uns einen Drink nach dem anderen schmackhaft zu machen. Fränn war nach einem Glas Rum allerdings bereits überzeugt, dass dieses Getränk nicht unbedingt Teil ihrer persönlichen Urlaubskarriere werden würde.
Wir verstanden ohnehin nicht ganz, wie manche Menschen jeden Abend so viel Alkohol trinken konnten. Bei uns waren meistens zwei Cocktails und vielleicht noch ein kleines Glas Rum das Maximum, bevor die Sonne, das Essen und der Tag ihren Tribut forderten. Wir feiern schließlich das ganze Jahr und nicht unbedingt im Urlaub.
Nach der Wal- und Delfintour, der kleinen Insel und dem vielen Essen waren unsere Akkus jedenfalls schon deutlich voller als bei unserer Ankunft. Und genau dafür waren wir schließlich nach Mauritius gekommen. Wir hatten unseren Wal gesehen.
Für den Moment war das Abenteuer damit auch vollkommen ausreichend.

Wir lesen immer gerne eure Reiseberichte. Vielen Dank dafür.
Vielen Dank für die lieben Worte! Wie schön, dass du so gerne mitliest.
Danksagungen wie deine machen das Schreiben erst richtig schön!
Ja cool die Erfahrung mit Wal und Delfinen. Ein Wal in freier Natur fehlt mir auch noch. Aber dumme Menschen begegnen einem immer und überall auf der Welt. Auf Bora Bora wurden die Manta Rochen und Haie wie Haustiere behandelt. Schrecklich, lasst doch die Tiere in ihrem Lebensraum in Ruhe. So bin gespannt wie es weitergeht!
Ist die „Fränn „ älter geworden ?
Ruhe , Entspannung , wenig Alkohol ?
Kenn ich irgendwie anders ….
Wer schreibt eigentlich den Blog ?
Ansonsten schicki !
Was soll ich sagen? In Berlin geht es ja eh schon trubelig genug zu – nach der Reise durch China und die Seychellen brauchten wir einfach ein bisschen Ruhe.